Monatsgruß April 2002
 Monatsspruch
 Gott baut ein Haus
 Auferstehung oder Höllenfahrt - Bilder zwischen Ost und West
 Auf den Spuren des Apostels Paulus
 Palästina
 Aufruf der Kirchenoberhäupter der Kirchen in Jerusalem
 Termine


Monatsspruch
ZIEHT DEN NEUEN MENSCHEN AN, DER NACH DEM BILD GOTTES GESCHAFFEN IST IN WAHRER GERECHTIGKEIT UND HEILIGKEIT.   EPHESER 4,24

Kleider machen Leute - sich verkleiden, das macht Spaß. Gern haben wir das als Kinder gemacht. Ein paar alte Plünnen - und schon waren wir andere Leute: Cowboy und Indianer, Räuber und Gendarm, oder Arzt und Patient, was wir so gespielt haben. Viel brauchten wir nicht zum Verkleiden. Einfach nur mal wer anders sein. Man kann sich aber auch verkleiden, also ganz falsch anziehen. So, daß es überhaupt nicht in den Rahmen paßt, daß man von der Clique nur ausgelacht wird, so, daß jeder merkt, das paßt ganz und gar nicht zu ihr, zu ihm. So einfach ist das nicht, immer das richtige Kleidungsstück zu finden. Mancher hat da große Schwierigkeiten. Und nun - als Christen verkleiden, nur mal so in die Rolle schlüpfen, anziehen, probieren und wieder ausziehen. Nun kann ja eine Rolle, die man lange spielt, einen Menschen auch sehr stark prägen. Man kann in die Rolle hineinwachsen. Sie kann ein Teil meiner selbst werden. Ich habe mir beispielsweise damals als Jugendlicher nie vorstellen können, daß ich mich mal im Talar oder gar in einer weißen Albe mit Stola wohlfühlen könnte. Die Vorstellung, mal so einen schwarzen Talar anzuziehen, hat mir so zu schaffen gemacht, daß ich bei einer Fete mit Freunden mal gesagt habe, ich schneidere mir mal einen Talar aus blauem Jeansstoff, der würde dann zu mir passen. Man kann sich also auch irren, was die eigene Kleidung und die eigene Rolle betrifft, bzw. man kann sich ändern. Aber mit dem Christsein, einfach so an- und ausziehen, wechseln wie das Hemd? Nein, so meint der Verfasser des Epheserbriefes das offensichtlich nicht. Wir sollen uns nicht was Fremdes anziehen, etwas, was nicht zu uns paßt, sondern unser Ureigenstes, das was uns geradezu auf den Leib geschneidert ist, das nämlich, wozu wir geschaffen sind als Ebenbilder Gottes. Also geht's nicht ums Verkleiden, sondern darum, die Verkleidung abzulegen und das eigentlich Passende, das Ureigenste anzuziehen. Den neuen, den ursprünglichen Menschen anziehen, den, wie er eigentlich von Gott gemeint ist, ohne Verstrickung in Egoismus und Eigennutz, ohne Befleckung durch Schuld und Gottesferne. Sauber, rein, wie am Anfang, wie wir eigentlich sein sollten: in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit - Gott recht sein und zu ihm gehören. Wir als Gerechte, als Heilige, wahre Heilige. Ja, das können wir sein, wenn wir uns die Botschaft von Jesus Christus zusprechen lassen. Er hat uns dies überhaupt erst ermöglicht, daß wir (wieder) werden, wozu Gott uns als sein Ebenbild geschaffen hat - neue Menschen, Kinder Gottes, an denen die Welt erkennen kann, oder sage ich besser, erkennen soll, wie Gott ist, wie er mit uns Menschen umgeht, Heilige, in Gerechtigkeit und Heiligkeit. Was für ein hohes Ziel! Leben wir, wozu uns Gott geschaffen hat, ziehen wir an, was wir sein sollen - in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Und helfen wir einander dabei. Das wünsche ich Ihnen und mir,
Ihr Pfarrer Kees


Gott baut ein Haus - Gemeindewochenende der Kirchengemeinden Johannisthal und Baumschulenweg vom 21. bis 23.Juni in Hirschluch


Wir laden herzlich ein:
Johannisthaler und Baumschulenweger
Gemeindeglieder,
Junge und Alte und natürlich auch die
dazwischen, das "Mittelalter",
Kinder und Erwachsene,
Männer und Frauen,
Väter und Mütter,
Großmütter und Großväter,
Enkel und Urenkel,
Familien und Alleinstehende,
Singels und Paare,
Hauptamtliche und Ehrenamtliche,
Chorsängerinnen und -sänger,
Bläserinnen und Bläser,
Zuhörer und Zuhörerinnen,
Gemeindeglieder und Sympathisanten.


Gott baut ein Haus: unter diesem Thema wollen wir einander kennenlernen, miteinander essen und gemütlich zusammen sein, spazieren gehen und spielen, diskutieren und am Sonntag Gottesdienst feiern. In unserer Gemeinde hat ein solches Wochenende Tradition: in einem Jahr versammeln wir uns an einem Sonntag zum Gemeindeausflug mit Gottesdienst im Grünen im anderen Jahr ist es ein ganzes Wochenende - eben in Hirschluch. Nun ist die Johannisthaler Gemeinde mit eingeladen. Wir wollen einander besser kennenlernen, um auch im Alltag besser zusammenzuarbeiten. Unser Thema wird uns dazu bringen müssen, darüber nachzudenken, wie wir unsere Gemeinschaft festigen können und dabei doch offen bleiben für solche, die neu dazu kommen. Wir werden uns klar machen, wie wir nach außen hin wirken, ob wir in unserer Art des Zusammenlebens attraktiv sind für Außenstehende oder ob wir auch nur so leben, wie es in unserer Zeit der Ellenbogengesellschaft nun einmal üblich ist.
Wir beginnen am Freitag abend 18 Uhr mit dem Abendessen und schließen am Sonntag mit dem Mittagessen. Wer dann bei schönem Wetter noch einen schönen Spaziergang machen will, bekommt sicher auch noch danach eine Tasse Kaffee. Wir haben insgesamt 77 Plätze in drei Häusern (Haus der Stille, Haus der Begegnung und Vogelbauer) gemietet. Die Kosten betragen je nach Unterbringung, Alter und Einkommen zwischen 30 Euro (Kinder im Mehrbettzimmer) und 50 Euro (Erwachsene im Einzelzimmer) . Anreise ist mit der Bahn nicht schwierig. Die Züge fahren stündlich (15.17 Uhr ab Schöneweide Ankunft 16.15 Uhr) ab Storckow Bahnhof gibt es dann entweder einen Bus oder von uns organisierte Abholung mit Autos. Die Anreise mit dem eigenen Auto ist auch nicht schwierig. Bitte melden Sie sich bis Ende April im Gemeindebüro verbindlich an, damit wir - gegebenenfalls, was wir nicht hoffen - ein paar Betten noch zurückgeben können. Geben Sie bitte auch an, ob Sie mit der Bahn, mit dem eigenen Auto fahren und ob Sie noch Plätze frei haben, oder ob Sie bei jemandem mitfahren möchten. Wir hoffen auf ein schönes bereicherndes Wochenende
Pfr. Huhn und Pfr. Kees


Auferstehung oder Höllenfahrt -
Bilder zwischen Ost und West

Merkwürdig ist, daß sich Ost und West gerade bei der Darstellung des wichtigsten christlichen Festes auseinander entwickelt haben. Auf unserem Titelbild sehen sie die für die Ostkirche ganz typische Darstellung der Auferstehung Christi: Christus als Sieger im Totenreich. Dort im Totenreich fängt der Ostersieg schon an. Er reißt Adam aus den Toten. Hinter diesem warten Eva und die Propheten und auf der anderen Seite David und Salomo sowie die Erzväter. Mit dem Siegeskreuz wie mit einer Lanze hält Christus den niedergetretenen Satan in Schach. Die Pforten der Hölle - Türen und Schlösser - liegen zerbrochen zu seinen Füßen. So besingen auch wir das Osterereignis: "Er hat zerstört der Höllen Pfort und all die Sein'n herausgeführt. Und uns erlöst vom ewigen Tod." Diese Darstellung aus Kapadokien - wir werden sie auf unserer Reise (siehe Seite 5) sehen, vielleicht gerade während Sie das hier lesen - gibt es in vielfältigen Variationen: Mal hat Christus wie hier nur den Adam an der Hand, mal Adam und Eva, mal mit Patriarchen und Königen, mal ohne - immer aber ist die Osterdarstellung das, was im Glaubensbekenntnis heißt: hinabgestiegen in das Reich des Todes. Aber "Anastasis" oder "Woskresenje" - Auferstehung steht drüber. Auch im westlichen Abendland gibt es solche Darstellungen: Beispielsweise diese von Duccio di Buoninsegna von 1310 in Kombination mit den Marien am leeren Grab. Deutlicher Beweis dafür, daß auch im Westen die Höllenfahrt Osterereignis war. Bis ins 10. Jahrhundert war die Höllenfahrt die einzige Darstellung von Ostern. Im Westen nun, kommt im 10. Jahrhundert eine neue Art der Darstellung auf, und zwar gerade in dem Buch, aus dem wir bereits einige Beispiele veröffentlicht haben - nur leider ist mir dieses Bild nicht zugänglich - im Evangeliar Heinrich des II.: Christus im offenen Grab mit Kreuznimbus und in der linken Hand die Kreuz-Siegesfahne. Diese Darstellung hat dann in den folgenden Jahrhunderten Schule gemacht: Der Auferstandene schwebt über dem Grab, die erschrockenen Wächter in sich zusammengekauert oder ohnmächtig vor der Erscheinung der Göttlichkeit (Sie kennen es sicher vom Grünewaldaltar), oder der aus dem Grab gestiegene Christus wird in die mittelalterliche Landschaft hineinversetzt - die Gegenwart des Malers, wie in der hier abgebildeten Darstellung von Caspar Isenmann von 1465. Was die Bibel eigens verschweigt - keiner der Evangelien beschreibt das Ereignis der Auferstehung selbst - setzten die Maler in Szene. īDie Höllenfahrt als Osterbild tritt immer mehr in den Hintergrund, während sie im orthodoxen Ostern das Osterbild schlechthin bleibt. Vielleicht braucht die Ostkirche keine spezielle Darstellung des Auferstehungsgeschehens, da sie ja in jeder Kirche den "Pantokrator", Christus, den Allherscher, in der Kuppel hat; fraglos der Auferstandene in göttlicher Herrlichkeit aber ohne die Spuren von Leichentuch und Nägelmalen: Christus der Weltenrichter.
R.Kees


Auf den Spuren des Apostels Paulus
Mit 15 Gemeindegliedern unserer Partnergemeinde Emmen sind in diesen Tagen - genauer gesagt vom 5.-14.April - 11 Gemeindeglieder unserer Gemeinde, mit einem mitreisenden Gast aus Johannisthal, unter der Leitung von Pfarrer Kees unterwegs auf den Spuren des Apostels Paulus einmal quer durch Kleinasien, von Antiochien (Antakya) nach Ephesus (Efes). Pfarrer Kees hat danach für 22 Tage Studienurlaub beantragt. Er wird die Rückreise in Istanbul unterbrechen, um dort beim Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel mit den griechischen orthodoxen Christen zu beten, Gottesdienste und - als Höhepunkt - die Karwoche und das Osterfest (am 5.5.) zu feiern. Die übrige Zeit wird er wichtige Texte aus der Ökumene studieren. Er ist ja im vorigen Jahr zum Pfarrer für Ökumene und Partnerschaft in unserem Kirchenkreis gewählt worden (keine Angst, es ist ein Nebenamt) und will sich so auf sein neues Amt einstellen. Im Herbst will er dann für Interessierte aller Konfessionen aus unserem Stadtbezirk in einer Art "Arbeitsgemeinschaft Ökumene" die Lektüre von wichtigen ökumenischen Texten anbieten. In der Zeit machen Frau Pfarrerin Sachau aus Treptow und Herr Vikar Madloch den Konfirmandenunterricht, Herr Pfarrer Iskraut steht für die Beerdigungen zur Verfügung und Frau Pastorin Köppen hilft bei den Gottesdiensten. Allen sei herzlich gedankt. Unseren Gemeindegliedern auf Pilgerreise wünschen wir viele gute Eindrücke und Herrn Pfarrer Kees gute Erkenntnisse und eine gute geistliche Gemeinschaft mit den orthodoxen Schwestern und (wahrscheinlich vor allem) Brüdern im Ökumenischen Patriarchat.


Palästina

Vieles hören wir aus Palästina und Israel, die Spitzenmeldungen, die Terroranschläge und die Armeeaktionen. Die israelische Armee hat am 8. März die Gebäude der Evangelischen Akademie Dar Al Kalima in Bethlehem und die Evangelische Schule Talitha Kumi in Beit Jala besetzt. Beide Einrichtungen gehören zu der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien (ELCJ) und werden von der Berlin-Brandenburgischen Kirche mitfinanziert. Die Akademie liegt strategisch günstig auf einem Berg, die Schule Thalita Kumi direkt an einer nur von Israelis benutzten Straße. Unser Bischof sowie der Ratsvorsitzende der EKD haben das militärische Vorgehen und die teilweise Zerstörung der Schulen scharf kritisiert. Sie sprachen von einer "Willkürmaßnahme, die gegen Recht und Gesetz verstößt". Wir haben intensiven mail-und fax-Kontakt zu unseren Partnern der evangelischen Schulen in Palästina. Leider haben wir keinen ebenso intensiven Austausch mit israelischen Betroffenen. Wir wollen hier einmal authentische Stimmen zu Wort kommen lassen, damit Sie etwas erfahren, was sie in den Nachrichten nicht erfahren - die Alltäglichen Sorgen und Ängste einer unter Besatzung und Krieg, Terror und Angst leidenden Bevölkerung. Wir haben ein Fax bekommen, in denen Schüler der 6.Klasse der evangelischen Schule Dar Al Kalima erzählen, was Sie in den 10 Tagen nach dem Einmarsch der Israelischen Truppen in Bethlehem vom 8.3. - 18.3. erlebt und gefühlt haben. Ein Lehrer der Schule hat uns diese authentischen Texte übersetzt:


Dalia Butros, 11 J., 6. Klasse
Als ich die 2 Palästinenser brutal erschossen... auf der Erde in Stücke gesehen habe, dachte ich wie grausam wir miteinander umgehen. Ich hatte Angst um die Zukunft, um einen Bürgerkrieg, statt zusammen zu halten um unser Staat Palästina zu bauen.

Mohannad Assaf, 12 J., 6. Klasse,
Bethlehem und ihre Camps wurden in der Nacht wie ein Dieb von den jüdischen Soldaten besetzt. Es wurden viele Palästinenser teils getötet und teils unmenschlich festgenommen, sehr viele Sachen zerstört und persönliches Eigentum beschlagnahmt. Die neu gebaute Straße von Deutschen und Holländern und Schweden wurden auch ausgegraben. Wir konnten leider für eine Woche nicht zur Schule gehen. Die Flüchtlinge in den Camps flohen woanders. Jetzt wieder ein Flüchtlingsproblem. Bis wann alles denn?

Anura Shoker, 11 J., 6. Klasse
In der Nacht des Einmarsch der Israelis wachte mein kleiner Bruder auf und wollte die Panzer mit Steine werfen, um sie wegzuscheuchen. Wir Kinder kriegten Angst und haßten diese Einmarsch-Aktion, immer wieder Krieg, wann hauen sie endlich ab. Bitte helft uns diese schrecklichen Besatzung vom Land wegzutreiben. Statt Olivenzweige gibt es Panzer, Kriegsflugzeuge.

Andere Berichte erreichten uns aus der Bethlehemer Weihnachtskirche. Anorte Kant (Mitglied des GKR) hat sie sinngemäß aus dem Englischen ins Deutsche übertragen:


Das Geräusch ist schrecklich und dann der Einschlag. Man hört eine Explosion... man fühlt es... die Türen splittern... die Fenster platzen... die Kinder schreien... man fühlt sich total hilflos... dann sieht man die Flammen hochschlagen und eine schwarze Wolke überschattet die Nachbarschaft... Dies und so ähnlich waren die Erfahrungen vieler Menschen in Bethlehem letzte Nacht. Eine besonders schlaflose Nacht war es für einige Familien und Mitglieder der Weihnachtskirche, sowie die Mitarbeiter des Internationalen Centrums, die in dem Gebäudeblock leben, der von den F16 getroffen wurde. Hier einige ihrer Berichte:

Mitri Raheb, evangelischer Pfarrer
Es geschah gestern Nacht. Ich hielt meine Tochter in den Armen, als sie fragte: "Was ist das Papa? Man hört das Geräusch aber kann nicht sagen, wo es herkommt oder wo es hingeht." Ich wünschte ich hätte ihr sagen können, es ist der Wind oder der Heilige Geist (Joh.3,8), aber es waren F16-Einschläge über Bethlehem. Es dauert nicht mehr als ein paar Sekunden, wie ein Blitzschlag. Man hörte es näherkommen und lauter werden. Die Angriffe letzte Nacht waren gedacht als gewaltige Demonstration von Sharons Macht. Es war und ist gedacht um uns Palästinenser einzuschüchtern, aber es sollte ebenso die Israelis ängstigen. Das letzte was unsere beiden Völker brauchen sind F16-Raketen. Das Heilige Land ist ein Schlachtfeld für machtbesessene Militärs geworden. Diese Angriffe werden keinen Frieden bringen. Sie werden nur den Haß schüren, die Hoffnungslosigkeit mehren und die Anzahl der Selbstmord-attentate steigen lassen. Die Palästinenser werden sich nicht ergeben. Jetzt am Ende des Tages mußt du einen Handel mit dem Feind, der dein Nachbar geworden ist, einschlagen. Sharon ist nicht gewillt, auf so einen Handel einzugehen, wie ihn zum Beispiel die Saudische Regierung vorgeschlagen hat. "Wir müssen den Palästinensern erst einen sehr harten Schlag verpassen, ehe wir mit ihnen über Frieden reden können." Das waren seine Worte gestern in der Knesset. Er denkt immer noch, militärische Stärke sei die Lösung. Er ist immer noch überzeugt, daß er die Westbank und den Gaza-Streifen besetzt halten, noch mehr Siedlungen bauen, die Palästinenser in Lagern und Ghettos quälen und die Spielregeln bestimmen kann. Er hat nichts aus den Massakern von Sabra und Shatila gelernt. Er hat nichts von der Besetzung des Südlibanon gelernt. Sharon hat sich als falscher Prophet erwiesen. Er konnte nicht Frieden und Sicherheit für sein Volk bringen. Er hat Tod geerntet. Sharon hört nicht auf die Stimme der Propheten: "Nicht durch meine Macht oder meine Gewalt, sondern durch meinen Geist sagt der Herr"(Sach. 4,6). Was wir im Mittleren Osten brauchen ist ein neuer Wind, der die Logik der Gewalt erschüttert, ein neuer Geist der die Herzen öffnet und eine neue Hoffnung, die Freude und Zufriedenheit für beide Völker bringt. Die Einschläge der F16 werden unsere Stimme nicht leiser werden lassen. Wir werden weiterhin eine andere Logik bezeugen: Was nützt es dir, wenn du alle Schlachten gewinnst, aber dabei deinen Nachbar verlierst? Das ist der Geist den wir brauchen.

Sandra Olewine
Plötzlich, ein Jet rast über den Himmel, etwas zerreißt auf einmal die Luft und dann die Explosion. Mit aufeinanderfolgenden Einschlägen, ein Jet überfliegt das Gebiet und ein oder zwei Minuten später kommt ein zweiter Jet und wirft die Bombe ab. Ich wuchs in Californien auf, wo wir in der Schule Notfallübungen für Erdbeben hatten (Bücken und in Deckung gehen). Letzte Nacht fühlte ich mich wieder wie mit 10 Jahren, vornübergebeugt auf den Knien und den Kopf mit den Armen schützend. Meine Knie sahen ziemlich zerschrammt aus am nächsten Morgen von dem harten Betonboden. Unser Haus hatte Glück. Das Erdgeschoß besteht nur aus Wänden und alle Fenster waren ausgebaut, weil die Familie dort ein neues Apartment baut. Wir hatten die Türen zu den oberen Apartments offen und haben uns im Treppenhaus versammelt. Während der dritten Attacke, die entweder die stärkste oder die uns am nächsten war, hörten wir plötzlich ein Zischen, einen sehr hohen Ton, einen leichten Druckabfall, ein Krachen und eine riesige Staubwolke im Treppenhaus. Ich kann es nur beschreiben wie das Geräusch in dem Film "Back draft", als ein Feuer in einen Raum gesaugt wird. Wir dachten alle für einen Moment eine Rakete oder so etwas ist im untersten Apartment gelandet. Und ich gebe zu, für einen Moment hielten wir den Atem an und warteten, daß die Etage unter uns explodiert. Aber offenkundig war, aufgrund des leeren Raumes im untersten Stock, die Druckwelle der Explosion hindurchgefegt und hatte als einzigen Widerstand die Tür zum Treppenhaus aufgedrückt und uns in Nebel eingehüllt. Ich bin sicher das hat unsere Fenster vor dem Eindrücken bewahrt. Als der Tag anbrach, kehrte das Leben in die Straßen von Bethlehem zurück. Die Leute gingen zur Arbeit, zur Schule und zum Markt. Im Gegensatz zu gestern morgen, sprach man, als die Menschen sich im ICB trafen, kaum über die Angriffe letzte Nacht. Die Menschen gingen zu ihren Schreibtischen und begannen zu arbeiten. Sie planten einen Kunst-Workshop für Kinder und Erwachsene, stimmten Musikstunden mit dem Nationalen Conservatorium ab, erarbeiteten Details für die Eröffnung des neuen Konferenzzentrums im Mai und planten für die Sommerakademie für Kinder und Jugendliche. Heute, ausgerichtet auf die Zukunft, lebte jeder das Leben weiter. Entschlossen in dem Willen nicht zusammenzubrechen. Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir werden nicht erdrückt; wir wissen nicht weiter, aber verzweifeln nicht; wir werden verfolgt, aber wir sind nicht verlassen; wir werden niedergeworfen, aber wir stehen wieder auf; wir erleben fortwährend das Sterben Jesu am eigenen Leib, damit das Leben Jesu auch an uns sichtbar wird (2.Kor. 4,8-10).


Aufruf der Kirchenoberhäupter der Kirchen in Jerusalem an alle Menschen im Heiligen Land, Palästinenser und Israelis

"Töten hat seine Zeit, Heilen hat seine Zeit; Abbrechen hat seine Zeit, Bauen hat seine Zeit; ... Steinewegwerfen hat seine Zeit, Steinesammeln hat seine Zeit;... Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit."
Prediger 3, 3-8

Wir, die Patriarchen und Kirchenoberhäupter dieses Landes, sind tief betroffen über die momentane Entwicklung und die Gewaltspirale, welche viele Menschenleben fordert. Es beunruhigt uns zu sehen, dass das Blutvergießen in diesem Land Überhand nimmt. Es stimmt uns sehr traurig noch mehr Witwen, Weisen und trauernde Frauen und Männer auf beiden Seiten zu sehen. Wir beklagen die zunehmende Zahl der Verletzten, Opfer von Mord, Bombardements, Gewalt und feindlichen Übergriffen. Wir fragen:,,Ist das die Zukunft, die wir für alle unsere Kinder immer wollten?" Wir glauben, dass der Schlüssel zu einem gerechten Frieden in den Händen der Israelischen Regierung und der Palästinensischen Autonomiebehörde liegt. Krieg und Zerstörung werden uns keine Gerechtigkeit und keine Sicherheit bringen; vielmehr wird dadurch die Verbitterung und der Haß gestärkt. Wir glauben, dass sowohl Palästinenser als auch Israelis aufgefordert sind, Partner bei einem historischen Frieden zu sein. Wir bekräftigen, dass wir uns um beide Völker kümmern, genau so, wie wir uns um jedes Menschenleben kümmern. Aber die Art und Weise, wie die momentane Israelische Regierung mit der Situation umgeht, hilft weder der Sicherheit, noch dem gerechten Frieden. Wir glauben, dass die Israelische Sicherheit von der Freiheit und Gerechtigkeit für Palästinenser abhängig ist. Aus diesem Grund erheben wir unsere Stimme mit jedem Israeli und Palästinenser um nach dem gerechten Frieden zu streben. Wir rufen jeden auf, die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um weitere Massaker und Tragödien an unseren beiden Völkern zu stoppen. Wir wollen ein offenes und ehrliches Wort zum Israelischen Bewußtsein äußern und die Israelische Regierung aufrufen, alle Arten von Zerstörung und Tod durch die schwere Israelische Bewaffnung zu stoppen. Welche Sicherheit kann jemandem gegeben werden, der keine Freiheit mehr besitzt, keine Selbstbestimmung mehr hat und der nicht die gleichen Rechte besitzt wie ein Israelischer Bürger? Für die Palästinensischen Bürger drängen wir auf ein Ende jeder Art von gewalttätigen Antworten. Wir glauben, dass der Weg zum Frieden durch Verhandlungen erreicht werden kann. Wenn ein starker Wille zum Frieden vorhanden ist, können die ungeklärten Probleme zu einer würdigen Lösung geführt werden. Wir appellieren an die Israelischen Bürger, für ihre Sicherheit in einer Art und Weise zu arbeiten, die es den Palästinensischen Bürgern erlaubt, sich ihrer durch die internationale Gesetzgebung garantierten Rechte versichert zu fühlen. Wir bitten Euch im Namen des Vaters, den wir alle anbeten, Eure Stimme zu erheben für Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung, so wie die Seelen aller Menschen auf der Welt nach diesem Ziel rufen. Inspiriert von den Worten König Salomons können wir sagen: "Wir haben Krieg, Steine, Töten und Zerstörung während des Konfliktes immer wieder erfahren. Die Zeit ist gekommen für Frieden, Gerechtigkeit und das Aufsammeln der Steine für den Wiederaufbau, Versöhnung und Heilung." Unsere Gebete für den Frieden sind heute dringender als jemals zuvor. Wir haben unsere Partnerkirchen im Ausland und die Regierungen dieser Länder aufgerufen, uns in unseren Bemühungen für den Frieden zu unterstützen. "Könnte ich doch hören, was Gott der Herr redet, daß er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, damit sie nicht in Torheit geraten." Psalm 85,9


Wilhelm Goller, Lehrer in Beit Jala, am 8. März 2002 um 22
Auf 2 Uhr heute Nacht hatte ich das Taxi bestellt, das mich zum Flughafen Tel Aviv bringen sollte. Ich war eingeladen - als einziger Ausländer neben den norwegischen Veranstaltern - zu einer Konferenz von israelischen und palästinensischen Friedensaktivisten, die in Istanbul stattfindet (so weit muss man derzeit reisen, um sich zu treffen). Die Freude über die Einladung war groß, die Vorfreude auf die Tagung ebenso, fast größer noch aber war mein Zögern zuzusagen. Denn die Tage zuvor waren die schwersten, seit wir hier im Lande sind. Wie viele Menschenleben an jedem der letzten Tage waren zu beklagen! Man hat ja schon in Deutschland genügend mitbekommen. Hier vor Ort addierten sich dann noch die "kleineren" Ereignisse hinzu, wie am Vormittag des 5. März die Besetzung von Al Khader, unserem nahe gelegenen muslimischen Dorf. Panzer rollten von Har Gilo an unserer Schule vorbei, Sirenengeheul der Jeeps, Hubschrauber über uns. Sie können sich vorstellen, wie da Schule ist. Als sich noch die Anrufe der Eltern häuften, die eine Invasion von Talitha Kumi den Fernsehnachrichten entnahmen, konnten wir nur noch die Busse bestellen und die Schule geordnet räumen. Das geschah dann gegen 12 Uhr. Zuvor hatten wir schon eine Nacht, in der wir nicht geschlafen haben, denn Hubschrauber kreisten die ganze Nacht über uns. So hatte es gestern Abend angefangen - gegen 17 Uhr. Hubschrauber, dann die unbemannten Aufklärer, schließlich die F16 Kampfjets, ein paar Überflüge in Tiefflug und dann direkt über Talitha Kumi ein Zischen, wenige Sekunden später ein ätzender Geruch und dann ein ohrenbetäubender Knall, Einschlag einer Rakete unten in Bethlehem. Dies wiederholte sich dann mehrfach über zwei Stunden. Das hatte man dann so verinnerlicht, dass der Hubschrauber-Lärm in der Nacht einen immer warten ließ auf den großen Knall, der ausblieb. So kamen aber am Tag danach, dem Mittwoch früh bereits Lehrer wie Schüler müde, gereizt, verängstigt an. Und so wie sich dieser Tag entwickelt hat, erhofften wir für die folgende Nacht und den nächsten Tag nicht viel besseres. Nachdem dann am Dienstag zudem noch von radikalen Juden eine arabische Schule bei Jerusalem (gegenüber von Bethlehem) mit einer Bombe angegriffen wurde, hatten wir am Dienstagnachmittag noch ein zusätzliches Problem: Wie schützen wir unsere Schule vor radikalen Siedlern, die eine Wiederholung bereits angekündigt haben und bei uns ja zuhauf direkt an der Schule vorbeifahren. Zum Glück hatte ich bereits zwei Tage zuvor schon unser Wachpersonal verstärkt, sodass wir da etwas beruhigen konnten. Das war wie gesagt am Dienstag, 5. März. Der Mittwochvormittag verlief ruhig. Am Abend dann aber wieder die gleiche Situation: Gegen 20 Uhr kamen die Hubschrauber, dann die F16 Jets, ein paar Mal Überfliegen im Tiefflug und dann wieder Raketenabwürfe auf dieselben Gebäude wie am Vortag. Für den Donnerstag hatte das israelische Militär offensichtlich den Stundenplan geändert: Bereits morgens um 5 Uhr kamen die Hubschrauber und danach wiederum Raketenabwürfe auf Polizeigebäude und andere staatlichen Gebäude, was erst gegen 6 Uhr aufhörte. Was war geschehen? Wie sah es dort aus? Diese Fragen stellten sich vor allem auch hinsichtlich der Tatsache, dass um 6.30 Uhr unsere ersten Schulbusse in Beit Sahour starten sollten. Schule - ja oder nein? Es zeigte sich, dass dieses Mal vor allem auch die Gebäude der Umgebung assiv beschädigt wurden - durch Druck und Hitze. (Die Wirkung kannte ich ja aus den Fernsehberichten über den Einsatz der amerikanischen Waffen in Afghanistan!) Dennoch - wir beschlossen, Schule zu halten. Und ich war höchst überrascht und erstaunt, dass auch die meisten Schüler pünktlich zur Schule kamen. Ich habe danach die Busgesellschaft gebeten, nochmals einen Bus in Beit Sahour loszuschicken, um die einzusammeln, die anfänglich gezögert haben. In der Tat - am Schluss hatten wir alle Schüler an Bord. Was aber sollte ich wegen Istanbul machen? Kann ich Familie und Schule jetzt allein lassen? Die Veranstalter riefen mich an; ich erläuterte meine Gefühlslage, worauf mir zugesagt wurde, sofort zurückfliegen zu können, wenn hier irgendetwas passieren würde. Gabriele ermunterte mich zu gehen. So entschloss ich mich zur Zusage am frühen Nachmittag. Wenig später wurde mir das Ticket vorbeigebracht und ich bestellte - siehe oben - auf 2 Uhr in der Nacht das Taxi, - wobei diese Zeit mitten in der Nacht mir ein durchaus etwas mulmiges Gefühl bereitete. Am Abend hatte ich mich dann hingelegt. Kurz nach Mitternacht, so um halb eins, wurde ich wach: Die F16 Kampf Jets kamen und setzten nach einigen Überflügen eine Rakete ins Ziel, mitten in der Nacht - die Bethlehem-Region war wach. Ich wartete auf weitere Abwürfe, aber nichts geschah mehr. Um ein Uhr aber hörte ich den Hubschrauber über uns kreisen und dann wurde es unten auf der Strasse laut: Panzer! Einer allein, das ist zwischenzeitlich üblich, so als Patrouille und zur Abschreckung. Aber es kamen immer mehr. William, der Nachtwächter, zählte 35, die sich da auf unserer Schulstrasse aufbauten. Und um 1.30 Uhr war der Aufmarsch abgeschlossen, die (dritte) Besetzung von Beit Jala begann. Im lokalen Bethlehem - TV wurde eingeblendet, dass Panzer auch von Jerusalem aus unten bei Rahels Grab nach Bethlehem hereinfahren würde, ebenso im Osten aus der judäischen Wüste nach Beit Sahour. Die Bethlehem-Region war umschlossen und wurde nun schrittweise besetzt. Bald wurde klar: Hauptziel war das "Durchkämmen" der Flüchtlingslager Aida- und Dheishe - Camp. In Beit Jala wurde eine Ausgangssperre verhängt und wurden etliche Häuser besetzt, alle in strategisch "günstiger" Lage, darunter wieder das Haus unserer Kindergartenleiterin. In Beit Jala blieb es ruhig, den Rest der Nacht hindurch und auch durch den heutigen Tag, während es in den Flüchtlingslagern Kämpfe und (auf palästinensischer Seite) Tote gab, bis zum Freitagabend sechs! Bereits um halb zwei Uhr verständigte ich den Taxifahrer, zu Hause zu bleiben und zu warten, sich auf keinen Fall zu gefährden. Um 2 Uhr war mir klar, dass ich aktuell gar keine Chance hatte herauszukommen und es auch nicht verantworten konnte, in dieser Situation zu gehen. Ich rief die Verantwortlichen der Tagung an, damit diese nicht auf dem Flughafen warteten. Für uns in Talitha Kumi war bei Morgengrauen klar: Schule war nicht möglich, es war ja aber ohnehin Freitag und damit "kleiner" Betrieb. So kümmerten wir uns zunächst um die Internatsmädchen. Gabriele holte um halb acht schnell Esperance, eine Küchenfrau, die gleich um die Ecke wohnt und die einzige ist, die bei Ausgangssperre kommen kann. Walid, der Küchenchef, sagte mir am Telefon, dass zumindest für zwei Tage Vorrat da sei. Von Pfarrer Jedallah Shehadeh erfahre ich später, dass das Jungeninternat gar für drei Tage Vorrat hat. Da hatten wir also bei beiden Internaten etwas Luft. Am späten Vormittag wurde mir dann mitgeteilt, dass unsere Schulmauer an der südlichen Ecke stark beschädigt sei. Ich fuhr kurz an diese Stelle (gehen war mir etwas unsicher) und dort erschrak ich sehr! Nicht der Mauer wegen, wiewohl das Loch in der Tat erheblich war und dringend der Reparatur bedarf, aber direkt daneben standen zwei Panzer (die wohl das Loch verursacht hatten) und zwei Mannschaftswagen und direkt an unserer Mauer knieten bzw. lagen zehn Palästinenser, die meisten in den Zwanzigern, zwei aber auch sehr alt, gefesselt an Händen und Füßen, etliche mit verbundenen Augen, umringt von israelischen Soldaten mit Gewehr im Anschlag, Panzerkanonen gezielt auf sie gerichtet - ein erbärmliches Bild. Als ich stoppte, war ich sofort von drei Soldaten umringt. Ich möge verschwinden. Ich weigerte mich und sagte ihnen, dass ich diesen Schaden in unserer Schulmauer zu registrieren habe. Als ich aber meinen Fotoapparat herauszog, - ich hoffte Bilder machen zu können, mit dem Loch in der Mauer, aber dabei auch die gefesselten Palästinenser ins Bild bringen zu können -, da war die Geduld der Soldaten zu Ende. Sie bedeuteten mit ihren Gewehren, ich hätte ins Auto zurückzugehen und zu verschwinden. Als ich um 16 Uhr dann Esperance nach Hause gefahren habe, machte ich nochmals einen Abstecher zum Loch in der Schulmauer. Aber nichts und niemanden mehr war dort. Um 18 Uhr habe ich Kontakt zu Mohammed, Vater von Schülern, wohnhaft im Dheishe-Camp. Ihm war anzumerken: Grosse Angst vor der kommenden Nacht. Das Wort "Massaker" tritt immer wieder auf. Erinnerungen an die Vorgänge in den Lagern in Libanon in den 80er Jahren, wo ja der aktuelle israelische Ministerpräsident Sharon massiv beteiligt war, verstärkt durch die aktuellen Vorgänge in den Lagern im Norden, - da kann einem Angst und Bange werden. Und als in den israelischen Fernsehnachrichten der Sprecher erläutert, dass der Druck der Israelis auf die Westbank verstärkt wurde, weil man in den nächsten Tagen mit mehr Drängen der Amerikaner auf Zurückhaltung zu erwarten habe und ja auch der Sonderbeauftragte Zinni in der nächsten Woche kommen würde, so müsse man sich beeilen, um noch einiges zu "klären". Beruhigend klang das nicht. Morgen ist Samstag, ein Schultag, aber sicher kein Unterricht und dann kommt der Sonntag. Vorsichtige Frage: Werden wir am Montag wenigstens wieder unterrichten? Die Sorge vor der kommenden Nacht aber dominiert. Der Hubschrauber kreist immer noch, vereinzelt Schüsse aus Richtung Dheishe-Camp. Um 20 Uhr Ortszeit, 19 Uhr deutscher Zeit HEUTE - Nachrichten im ZDF. Petra Gerster kommt erst nach SPD - Spendenskandal und Helmut Kohls Stasi-Akten-Sieg und dem Politbarometer zum Verlesen einer Meldung über den Nahen Osten. Kein Hinweis auf die Ausgangssperre in Beit Jala, die Invasion von Panzern in der ganzen Bethlehem-Region. Zwischenzeitlich listet man die Toten auf beiden Seiten nur noch summativ auf. Der Konflikt ermüdet allmählich die Nachrichten. Und wir haben hier Angst vor der kommenden Nacht! Wenn man mich nicht missversteht, möchte ich sagen:
Gute Nacht, Deutschland!


Siehe auch Termine!