ZUR FRIEDENSDEKADE: DIE TÄUFER


FriedensDekade

Reformation „allein aus Glauben”: Die Täufer Luther nannte sie „Schwärmer”, Historiker sprechen vom „linken Flügel der Reformation”: die Täufer. Sie nannten sich selbst „Kinder Gottes”.

Wie kam es zu Reformationen? Nach reformatorischen Predigten und der Zustimmung des Volkes führten die Magistrate der Städte oder die Fürsten im Lande die Reformation der Kirchen und Schulen durch und beanspruchten damit die Kirchenhoheit. Diese Reformationen ereigneten sich in den Gesetzen und Traditionen des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation”. Nur die Täufer lehnten die Grundlagen der christlichen Staatsreligion ab. Sie lehnten den Schwertdienst ab, denn „Jesus verbietet die Gewalt des Schwertes”. Sie lehnten den Eid ab, „denn Jesus verbietet den Seinen alles Schwören”. Sie lehnten für sich die Teilnahme an weltlicher Obrigkeit ab, „denn es kann einem Christen nicht ziemen, Obrigkeit zu sein”. Diese Berufungen auf Jesus und seine Bergpredigt stehen im Schleitheimer Bekenntnis von 1527, das Michael Sattler verfasst hatte. Sie wurden von katholischen und protestantischen Obrigkeiten verfolgt und galten als Ketzer des Glaubens und Feinde des Reiches.

Als Michael Sattler im Verhör in Rottenburg auch noch sagte: „Wenn der Türke kommt, soll man ihm keinen Widerstand leisten, denn es steht geschrieben: Du sollst nicht töten”, wurde die Gefahr öffentlich, die von den friedlichen Täufern ausging, denn sie hatten großen Zulauf im Volk. Darum war Michael Sattlers Hinrichtung in Rottenburg öffentlich und besonders grausam. Seine Frau Margaretha widerstand allen Rettungsversuchen und wurde wenige Tage danach im Neckar ertränkt.

Michael Sattler war ein theologisch und humanistisch hochgebildeter Mann. 1525 war er bei den aufständischen Bauern in Memmingen gewesen, dann schloss er sich in Zürich den Täufern an und missionierte in Oberschwaben. Seine Sendung lautete: „Die Christen sind ganz gelassen und vertrauen auf ihren Vater im Himmel ohn’ alle äußerliche weltlich Rüstung”. Wie Michael Sattler waren die Täufer die Märtyrer der Reformationszeit.

Menno Simons und die „Mennoniten” trugen und tragen diese Reformationsbewegung bis heute weiter.

Der Lutherische Weltbund hat vor einigen Jahren die Mennoniten um Vergebung für die Verdammungen und Verfolgungen der Reformationszeit gebeten. Schließlich nennen wir sie nicht mehr „Schwärmer”, sondern „historische Friedenskirchen”!

Bei Jesaja 2,4 steht: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.” Die Lutheraner machen aus den Schwertern „christliche Schwerter”, um „rechtmäßige Kriege zu führen”.

Die Täufer zogen sich auf die Bruderhöfe zurück und wollten nur noch mit „Pflugscharen” zu tun haben. Und wer macht aus Schwertern Pflugscharen? Kriegsindustrie in Friedensindustrie umgestalten und aus Stahlhelmen Kochtöpfe machen, wie wir es 1946 taten. Das Reich Christi ist nicht nur ein friedliches Reich, sondern zu erst ein friedenschaffendes Reich. Jesus preist nicht die „Friedlichen” selig, sondern die „Friedensstifter”.

Professor em. Dr. Jürgen Moltmann ist evangelischer Theologe und Buchautor.

Artikel (gekürzt) aus:
Friedensdienst, Jürgen Moltmann




Rainer Schnell