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Geschichte der "Kirche zum Vaterhaus"

Die Baumschulenweger Kirchgänger hatten nicht seit eh und je eine eigene Kirche. Lediglich alle vier Wochen konnte im alten Schulhaus an der Neuen Krugallee ein Gottesdienst abgehalten werden. An den übrigen Wochenenden mußte man nach Stralau überzusetzen. Erst am 5. Mai 1910 wurde der Grundstein für die Kirche, das Gemeindehaus und die angrenzende Schule, die ein geschlossenes Ensemble bilden, gelegt. Dieses wurde in nur 1 1/2 jähriger Bauzeit nach den Entwürfen der Charlottenburger Architekten Reinhardt & Süßengut, die auch das Treptower Rathaus konzipiert hatten, errichtet. Am 12. November 1911 schon konnte die Kirche festlich eingeweiht werden.

kurz nach der Fertigstellung des Baus

(kurz nach der Fertigstellung)

Ihren Namen verdankt die Kirche dem in goldenen Lettern über dem Portal angebrachten Wort Jesu aus dem Johannesevangelium: "In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen". Die Kirche ist mit ihren 47 Meter hohen ockerfarbenen, doppeltürmigen Anlage weithin sichtbar. Sie verfügt über ca. 700 Sitzplätze, ist schlicht mit jugendstilartig anmutenden Reliefs und Ornamenten gestaltet. Sie hat eine wunderbare Akustik. Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie durch Bombenangriffe schwer beschädigt, konnte jedoch vor allem auf Grund der Spendenfreudigkeit der Gemeinde 1949 weitestgehend wiederhergestellt werden, wobei jedoch der ursprüngliche Anstrich und wichtige Zierelemente übermalt wurden. Grundlegende Umgestaltungsideen in den Sechziger und Siebziger Jahren konnten immer wieder aus Mangel an Geld und Baukapazität nicht ausgeführt werden. Lediglich neue Altarfenster wurden angeschafft. 1978 wurden dann Kirche, Gemeindehaus und Schule unter Denkmalschutz gestellt. Dies setzte den Überlegungen zur Modernisierung ein Ende. Die lange geplante und mühsam ersparte Innenrestaurierung konnte - wegen der Währungsunion und der damit verbundenen Halbierung der Rücklagen und Verteuerung der Handwerkskosten erst mit zweijährigem Verzug - im Jahre 1992 durchgeführt werden. Dabei wurde die ursprüngliche Bemalung und damit auch die ureigene Atmosphäre des Innenraumes wieder hergestellt. In den darauffolgenden Jahren folgten die Sanierung der Kirchtürme und der Dächer, so daß das Ensemble sich jetzt in einem guten Zustand zeigt. Lediglich die Neuverputzung, oder wenigsten der Neuanstrich muß wohl noch bis zur 100-Jahr-Feier warten.


2015 by Rainer Schnell