Wir brauchen „Neue Rituale“

Rituale, sie gehören zum Menschsein dazu. Wir brauchen sie. Und wir erfreuen uns an ihnen. Rituale, das sind aus meiner Sicht wunderbare Chancen der Begegnung von Kirche und Welt. Doch welche Rituale haben wir in unseren Kirchen, die noch zeitgemäß sind? Und welche neuen Rituale könnten für uns selbst, und die Menschen in unseren sozialen Räumen, zusätzlich noch bedeutsam sein, wenn es sie gäbe?

 

Die hauptsächlichen Zeremonien zu Lebensübergängen, die wir traditionell im evangelischen Raum haben, sind die Konfirmation und die Trauung. In unseren Tagen gibt es aber noch wesentlich mehr Lebensübergänge, denen sich unsere Kirche noch nicht recht annimmt. Das zu ändern, liegt mir am Herzen.

Ein eklatant bedeutsamer Lebensübergang ist z.B. die Beendigung des Arbeitslebens; der Übergang in die Rente/Pension. Es ist nicht nur das Ende der beruflichen Tätigkeit, es ist auch ein Übergang in den sog. „Lebensabend“, der Freude macht, aber - zumindest unterschwellig - auch Angst in den Betroffenen auslöst. Dieser Lebensübergang ist definitiv eine sehr markante Wende in der eigenen Biographie.

 

Christliche Rituale können hier segensreich wirken, die Menschen unterstützen und stärken. Vorstellbar wäre z.B. ein spezieller Gottesdienst, von Menschen mitgestaltet, die diesen Übergang in die Rente schon hinter sich haben. Eine persönliche Segnung für die „Übergänger“ am Altar sollte dann das Zentrum des Gottesdienstes bilden, verbunden mit der Gabe eines erinnernden Gegenstandes, z.B. einer individuell gestalteten Kerze. Menschen in der gleichen Lebensphase würden einander hier begegnen können und sich kennenlernen. Und im Idealfall entstehen Folgeverabredungen in und außerhalb der Kirche. Die Gabe, z.B. die Kerze, würde dann, da bin ich absolut sicher, bei den Gesegneten zuhause auf der Kommode oder auf dem Tisch stehen, und das Ritual der Segnung, und die Kraft, die daraus strahlt, am Leben halten. Und in dunklen Momenten kann solch ein ritueller Gegenstand die Situation im wahrsten Sinne des Wortes sogar etwas heller machen.

 

Es gibt viele Lebensübergänge, allein in einem einzigen Menschenleben. Und damit gibt es auch genügend Gelegenheiten für uns als Gemeinden, mit rituellen Angeboten auf die Menschen zuzugehen. Sei es die Schwangerschaft einer Frau, vielleicht sogar die erste. Ein einschneidendes Ereignis, das viel verändert und für die Zukunft neue Weichen stellt. Würden Sie in dieser Situation nicht auch soviel „Segen“ wie möglich bekommen wollen? „Segnen“ bedeutet übrigens übersetzt „Gutes zusprechen“. Sogar das Beste haben wir Christen doch zuzusprechen, nämlich die bedingungslose Liebe Gottes zu jedem einzelnen Menschen.

 

Oder nehmen wir den Übergang von der Schule in die Ausbildung. Oder in ein Studium. Für die jungen Menschen ist das doch ein riesiger Einschnitt, nun Azubi oder Azubine zu werden, mit einem Chef, mit Kollegen, aber auch mit etwas Gehalt. Ein spezielles Ritual würde hier sicher anders gestaltet werden als bei denen, die aus dem Berufsleben aussteigen. Und doch wäre es im Kern das Gleiche, nämlich die Segnung von Menschen, die in eine völlig neue Lebenssituation eintreten. Ich habe gerade bei den jungen Leuten, z.B. bei den Konfirmanden, oft gemerkt, dass gerade sie bei solch einer Segnung viel mitnehmen.

 

Und ich könnte mit weiteren Beispielen für Lebensübergänge anführen, an die wir als Gemeinden andocken können. Ich denke schon länger über solche „neuen Rituale“ nach, dieses Thema bewegt mich sehr.

Und jetzt, wo die Corona- Regeln es langsam zulassen, möchte ich sehr gern mit Ihnen zusammen weiterdenken, ich werde eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema aufbauen. Und ich hätte genau Sie, genau dich, sehr gern dabei.

 

Haben Sie, hast du Interesse, dabei mitzumachen? Über Fragen zu rituellem Handeln im kirchlichen Raum gemeinsam zu diskutieren? Und Liturgien

für verschiedene Lebensübergangs-Rituale zu entwickeln? Das würde mich sehr freuen. Ich denke an Treffen am späten Nachmittag/frühen Abend in einen 14-tägigen Rhythmus.

 

Melden Sie sich bei Interesse bitte direkt bei mir unter: 030/ 53212676 .

Pfarrerin Ute Pfeiffer

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