Monatsgruß Mai 2002
 Monatsspruch
 Friedenspalmen auf Holz
 Ein neuer Vikar
 Konfirmation
 Goldene Konfirmation
 Tag der Begegnung
 Machen Sie einen Ausflug?
 Auf den Spuren des Apostels Paulus
 Schulpatenschaften für palästinensische Kinder
 Fürbitte
 Termine


Monatsspruch
"LASST UNS MIT AUSDAUER IN DEM WETTKAMPF LAUFEN, DER UNS AUFGETRAGEN IST, UND DABEI AUF JESUS BLICKEN, DEN URHEBER UND VOLLENDER DES GLAUBENS.
HEBRÄER 12, 1 + 2
Von einem Wettkampf ist die Rede. Zum Wettkampf gehört Training, gehört Verzicht auf das, was Erfolgen hinderlich im Weg steht, gehört auch eine anfeuernde Zuschauermenge. Der Schreiber des Hebräerbriefes vergleicht den Glauben und das Leben der Christen mit so einem sportlichen Kampf. Er fordert seine Leser - und das sind heute wir, die Christen, die mit diesem Spruch in den Monat Mai gehen - auf, dranzubleiben, Ausdauer zu haben, das Ziel ins Auge fassen, das Jesus Christus heißt. Dieser Wettkampf ist wohl nicht als Massensport zu verstehen. Mit Ausdauer dranbleiben, das machen letztlich im Sport auch nicht allzu viele. Und wenn es gar Opfer kostet, Verzicht auf Zeit, Vergnügen und sogar Geld, dann werden es noch weniger. Ich schreibe hier nicht von denen, die sich ihre Siege teuer bezahlen lassen, die sich verkaufen, die Schlagzeilen machen wollen. Ich schreibe von denen, die mit ihrer Entscheidung für Christus überhaupt nicht in der Mehrzahl sind, die aber auffallen, weil sie sich für ein anderes Leben entschieden haben. Ja, man beobachtet sie; es sind nicht alles jubelnde Zuschauer und schon gar keine Mengen. Genug kritische Zaungäste stehen schon am Rande des Weges. Sie werden genau hinsehen, ob Worte und Taten übereinstimmen, ob etwa das Reden vom Frieden oder von der Bewahrung der Schöpfung nur aus Parolen besteht, die irgendwo aufgeschnappt und nachgeplappert wurden, oder ob die Christen wirklich friedenbringend leben bei den Menschen, mit denen sie täglich zu tun haben. Wer das tut, wird merken, daß es nicht einfach ist. Kraft braucht man schon, aber es lohnt sich. Deshalb das Wort von der Ausdauer. Christen können sich Kraft holen, indem sie regelmäßig zusammenkommen, indem sie die Bibel lesen und darüber nachdenken. Dabei können sie sich gegenseitig helfen, sich ihre Probleme sagen, gemeinsam beten, Brücken untereinander und zu anderen bauen, Feindbilder abschaffen. Alle diese Gedanken stehen im Monatsspruch und vielleicht sogar noch mehr. Die Gemeinde ist dazu da, sie zu finden und auszusprechen. Zusammengefaßt heißt das : Dranbleiben!
Hans-Jürgen Fredrich


Kirche zum Vaterhaus mit Friedenspalme
Tempera auf Holz

M. Uhlenbrock
M. Uhlenbrock


Ein neuer Vikar
Als neuer Vikar Ihrer Gemeinde möchte ich mich vorstellen. Von Mai 2002 bis Januar 2003 werde ich unter Anleitung von Herrn Pfarrer Dr. Kees meine ersten Schritte in die Pfarr-praxis gehen können. Für mich ist es überraschend, ein zweites Mal eine "Lehre" in Berlin-Baumschulenweg zu beginnen. Noch zu "Ost-Zeiten" hatte ich am Ende der Behringstraße in der Lehrwerkstatt des Signal- und Fernmeldewerkes der damaligen Deutschen Reichsbahn eine Lehre zum Elektrosignalmechaniker angefangen und auch abgeschlossen. Mit der S-Bahn fuhr ich täglich von Hohen Neuendorf (nördlich von Berlin) hierher. Gerne lernte ich die Grundlagen der Metallbearbeitung und der Elektroinstallation kennen. Das Backsteingebäude der Lehrwerkstatt steht jetzt ganz verlassen und um die Betriebsschranke rankt sich das Grün der alles in Besitz nehmenden Fauna. Dieser Anblick berührt mich ein wenig angesichts der Vergänglichkeit menschlicher Betriebsamkeit, wie ich sie damals in der Lehrwerkstatt erlebt hatte. Mein Entschluß, Theologie zu studieren, war mit ausgelöst durch meinen Zivildienst, den ich in der Betreuung von Körperbehinderten abgeleistet hatte. Studiert habe ich zunächst am Theologischen Seminar Paulinum Berlin, später an den theologischen Fakultäten in Halle, Greifswald und Tübingen. In Halle erlebte ich eine schöne Zeit in der evangelischen Studentengemeinde, insbesondere durch den Austausch mit Studierenden anderer Fakultäten. In Tübingen lernte ich den süddeutschen Fleiß kennen, der manchmal ein wenig übertrieben, aber eigentlich vorbildlich und liebenswert ist. Theologiegeschichtliche Probleme haben mich während des Studiums immer interessiert. Ich habe festgestellt, daß es wohl keine Epoche der Kirchengeschichte gibt, deren Erforschung nicht spannend wäre. In meinem Vikariat wird es darum gehen, den Umgang mit Menschen in der pfarramtlichen Verantwortung zu erlernen. Das ist natürlich etwas anderes als die Arbeit in einem Beruf, in dem eine Sache hergestellt, bearbeitet oder repariert wird. Es ist für mich ein Trost, daß in dem Beruf, den ich - so Gott will - einmal ausüben werde, der Erfolg nicht von meinem Wollen oder von meiner Geschicklichkeit abhängt. Gott, der Herr, sorgt selbst dafür, daß es die christliche Gemeinde gibt und geben wird. Freilich tut er das nicht ohne Menschen, nicht ohne die Weitergabe von Gottes Wort. In diesem Sinne möchte ich mich an meine "Lehrzeit" heranwagen. Ich freue mich auf meine täglichen Radfahrten von Kreuzberg nach Baumschulenweg, auf die Zusammenarbeit mit Pfarrer Kees und insbesondere auf das Kennenlernen einer - wie mir scheint - lebendigen Großstadtgemeinde.
Bernhard Hoppe


Am Pfingssonntag werden in unserer Gemeinde Jugendliche aus Baumschulenweg und Treptow konfirmiert
Konfirmiert werden:

aus Baumschulenweg aus Treptow
Elisabeth Aust Hanna dè Misere
Martin Schierz Julia Mewes
Ferdinand Carriere Natalie Herzberger
Kim Schulz Magdalena Steinfeld
Jessica Koffke
Thomas Kahl


Glaubenbekenntnisse der Konfirmanden

Wir glauben an Gott, ein Geheimnis, das wir bisher, durch fehlende Tatsachen noch nicht in unserem Leben einordnen konnten. Mit dem wir seit unserer Taufe verbunden sind, womit wir uns in der Christenlehre, im Religionsunterricht und im Konfirmandenunterricht beschäftigt haben und was uns unsicher macht, da wir nicht wissen, ob es existiert. Die Weisheiten unserer Bibel wie z. B.: die 10 Gebote bringen uns auf den richtigen Weg, unseren eigenen Glauben zu finden. Familie, Freunde, Paten und Pfarrer haben uns gelehrt mit unserem Glauben umzugehen und darüber offen zu sprechen. Uns ist es wichtig, von den Mitmenschen und unserer Gemeinde akzeptiert und toleriert zu werden, sowie dieses Gefühl weiter zu geben. Unser Glaube und unsere Taten sollen anderen Menschen Frieden und Gerechtigkeit bringen.
Wir glauben an Gott, den mütterlichen Vater der für alle mit seiner Liebe da ist, der uns allen das Leben und die Erde geschenkt hat. Wir wollen ihm danken, auf ihn hoffen, nach ihm fragen, an ihn denken, wenn wir glücklich sind und wenn wir trauern, wenn wir die Not anderer sehen und wenn sie lachen, wenn wir allein sind und wenn wir mit Christen zusammen sind. Er bedeutet uns mehr als Macht, Geld und Leistung. Wir glauben an Jesus Christus, der den Menschen geholfen hat und sie Hoffnung finden ließ. Wir glauben an seine Taten, in denen uns Gott gezeigt hat wie wir mit unseren Brüdern und Schwestern Nächstenliebe, Friede, Toleranz, Gerechtigkeit, Liebe, Ehrlichkeit und Gemeinschaftsgeist verwirklichen können. So versuchen wir in seinem Geist so gut wie möglich nach den 10 Geboten und Gleichnissen zu leben. Durch seinen Tod und seine Auferstehung gibt er uns Hoffnung, Kraft, Ausdauer und Geduld für unser christliches Leben.
Amen


Goldene Konfirmation
Wir bitten alle, die 1952 konfirmiert worden sind und noch immer dem Glauben und der Kirche die Treue halten, sich am besten mit dem Konfirmationsspruch im Gemeindebüro zu melden. Wir haben die Jahrgänge 1937 und 1938 angeschrieben und zur Goldenen Konfirmation eingeladen. Dabei können wir aber auch Gemeindeglieder übersehen haben. Das bitten wir zu entschuldigen. Darum dieser Aufruf auch im Monatsgruß. Wir laden nicht nur die ein, die vor 50 Jahren in Baumschulenweg konfirmiert worden sind, sondern alle, die vor 50 Jahren wo auch immer, den selbstständigen Weg in den Glauben und die Gemeinschaft der Christen gegangen sind. Am Sonntag Trinitatis, dem 26. Mai, wollen wir dann im Gottesdienst mit Abendmahl und Chormusik die Goldene Konfirmation feiern.


Tag der Begegnung
Jedes Jahr im Mai kommen ca. 700 Christenlehrekinder aus allen beteiligten Landeskirchen zum "Tag der Begegnung" nach Berlin. Dort lernen sie Christen aus anderen Ländern kennen und sammeln Erfahrungen von Kultur und Alltag der Kinder in den anderen Ländern. In diesem Jahr wird Tansania das Land sein, über das wir informieren. Das großzügige Gelände der gastgebenden Kirchengemeinde Berlin-Johannisthal verwandelt sich zum ökumenischen Treffpunkt. Die Mitarbeiter und freiwilligen Helfer des Berliner Missionswerkes vermitteln durch den Einsatz didaktischer Mittel wie Musik, Bilder, Dias, Spiele, Erzählungen, Aktionen, eine Ausstellung und die Bibelwerkstatt, lebendige Eindrücke. Mit allen Sinnen werden die Teilnehmenden erfahren, wie Kinder in Tansania leben, was ihre Hoffnungen, Träume und Sorgen sind und welche Bedeutung Gesundheit, Bildung, Heil und Heilung für ihr Leben haben. Die Teilnehmenden werden angeregt, über das nachzudenken, was unser Leben lebenswert und heil macht. Weitere Informationen erhalten Sie im Gemeindebüro oder unter folgender Adresse:
Berliner Missionswerk
Gabriele Bindemann
Georgenkirchstraße 69/70
10249 Berlin
Tel.: 24 34 41 23
Fax: 24 34 41 24
Ökumenische Werkstatt - 165
e-Mail: g.bindemann@bmw.ekidd.net


Machen Sie einen Ausflug?
Himmelfahrt bedeutet ja, dass Grenzen überschritten werden. Die Grenzen zwischen Erde und Himmel zum Beispiel. Wir laden Sie ein, an diesem Tag Ihre Ge- danken über die eigenen Grenzen hinaus ziehen zu lassen: Am Himmelfahrtstag um 10.00 Uhr in der Kirche in Baumschulenweg. Wir haben einen Gottesdienst vorbereitet, der Sie anderen Christinnen und Christen näher bringen kann: Unseren Partnern im Kir- chenkreis Swaziland. Vielleicht haben Sie schon von dieser Partnerschaft gehört, die es nun schon ca. 20 Jahre gibt. Vielleicht kennen Sie auch Namen: Schiele, Magagula, Agnes, Glory, ... und wissen von der Jugendgruppe, die uns im Juni besuchen wird. Es gibt verschiedene Facetten, die solch eine Partnerschaft beinhal- tet. Die Idee für diesen Gottesdienst verdanken wir der welt- weiten Ökumene, die sich seit letztem Jahr aufgemacht hat, sich intensiv den verschiedenen Formen von Gewalt zuzuwenden - und nicht wegzuschauen. Der 11. September 2001, seine Folgen und der andauernde Konflikt in Nahost sind zur Zeit die Spitzen von Gewalt auf unserem Globus. Ihnen werden noch weitere ein- fallen. Wir wollen in diesem Gottesdienst unseren Blick bei diesem Thema nach Swaziland - und auch zu uns lenken. Und Ausblicke ... Wir, Christa Baukhage, Eberhard Iskraut u.a. wollen mit Ihnen · Ausblicke suchen · Grenzen überschreiten · und am Ende des Gottesdienstes bei uns ankommen. Wir freuen uns auf diesen Gottesdienst - und auf Sie. Es grüßt Sie Ihr Veit Böhnke Koordinator des Arbeitskreises "Partnerschaft mit Swaziland" der Kirchenkreise Charlottenburg und Lichtenberg-Oberspree


Auf den Spuren des Apostels Paulus
Für die hinter uns liegende Reise in die Türkei ist des öfteren im Monatsgruß geworben worden und Sie wurden vorher auch gut informiert. Jetzt ist es selbstverständlich, dass wir Sie an all´ unseren beeindruckenden und lehrreichen Erlebnissen teilnehmen lassen. Vielleicht verspüren Sie Lust, das Neue Testament und eine Landkarte von Kleinasien in die Hand zu nehmen, dann können Sie unsere Reiseroute und die des Apostels Paulus nachvollziehen. Wer sich von uns auf den Weg gemacht hat, ist Ihnen eigentlich auch bekannt. Aber ich will es für diejenigen wiederholen, die es nicht gelesen haben. Wir waren mit Herrn Pfr. Kees 13 Teilnehmer aus drei Berliner Gemeinden und von unserer Partnergemeinde aus Emmen kamen 14 Interessenten mit. Die Regie führte Herr Pfr. Kees, ihm stand ein türkischer Reiseleiter Herr Ülkü zur Seite. Wir flogen am 5.4.02 um 11.45 Uhr mit Zwischenlandung in Istanbul 2400 km bis Adana, wo wir um 18.30 Uhr landeten. Es ist der südöstliche Flughafen in der Nähe des Mittelmeeres. Hier erwartete uns Herr Ülkü mit unserem Reisebus nebst Fahrer Ismael. Da unsere holländischen Freunde ab Amsterdam geflogen waren und erst zwei Stunden nach uns eintrafen, nutzten wir die Zeit für eine kleine Stadtrundfahrt. Wir bekamen den ersten Eindruck von einer orientalisch anmutenden Stadt. Untermalt wurde der Eindruck vom Ruf des Muezzin, der die Gläubigen zum Gebet bei Sonnenuntergang aufforderte. Vom Lautsprecher oder Tonband unterstützt, preist er hoch vom Minarett der Moschee, Allah. In Adana steht eine vor zwei Jahren fertiggestellte große Moschee, die wir schon von weitem sahen. Nach der Fahrt führte uns Herr Ülkü zum Abendbrot in ein Restaurant, wo uns exotische Gerüche in die Nase stiegen, fremde Laute und Musik erklangen. Unsere Freunde nahmen wir anschließend auf dem Flughafen in Empfang und steuerten dann auf der Autobahn unserem ersten Ziel entgegen, Antakya, dem antiken Antiochia am Orontes. Erst gegen Mitternacht fielen wir übermüdet in unsere Hotelbetten. Wir hatten immer gute Hotels mit 4 oder 5 Sternen. Um den Tag zu nutzen und viel sehen zu können, sind wir früh aufgestanden. Saßen meistenteils um 8.00 Uhr am Frühstückstisch oder starteten bereits. Das Frühstück fiel vom Angebot her unterschiedlich aus, aber die Qual der Wahl war stets groß. Haben sie Antakya (Antiochia) auf Ihrer Karte schon gefunden? Es liegt dicht an der syrischen Grenze. Wir befanden uns auf ganz besonders historischem Boden, denn hier wurden um 40 n. Chr. die Nachfolger Jesu zuerst Christen genannt (Apg 11, 19-30; 13, 1-3; 15, 22-35).

Petrus-Grotte bei Antakya

Paulus ist mehrmals für längere Zeit hier gewesen und hat missioniert. Von hieraus verbreitete sich das Christentum über die ganze Welt und nicht von Jerusalem aus. Jesus von Nazareth war nicht länger nur der Erlöser der Gläubigen aus dem Judentum, sondern er war der Erlöser aller Menschen (Heiden). Paulus und Barnabas waren in Antakya so erfolgreich, dass die dortige Gemeinde sie beauftragte, das Evangelium in den Ländern der Heiden zu verkündigen. Beide traten ihre erste Missionsreise von Antakya aus an, und nach hier kehrte Paulus am Ende seiner ersten und auch zweiten Reise zurück. Zwischen 252 und 300 n. Chr. fanden hier 10 Kirchenversammlungen statt und die Stadt wurde die Residenz der Patriarchen von Asien. Unser erster Ausflug ging zur Petrus-Grotte am Fuße der Berge, östlich der Stadt. Sie soll die Höhlenkirche gewesen sein, in der sich die ersten Christen heimlich trafen und Gottesdienst abhielten. Wir stimmten einen Choral an und Pfr. Kees las aus der Apostelgeschichte vor. Ein Museumsbesuch in der Stadt schloss sich an. Hier befindet sich eine unschätzbare Sammlung wunderbarer Fußbodenmosaiken aus der Römerzeit. Skulpturen, Sarkophage, Vitrinen mit Haushaltsgegenstän- den aus verschiedenen Epochen, sind sehenswert. Nachmittags fuhren wir ans Meer zum alten Hafen von Antiochia, der zur Zeit der Römer Seleuzia hieß. Hier ließen sich Paulus und Barnabas nach Cypern einschiffen (Apg 13,4). Unser Bus brachte uns dann in eine Gegend, in der wir einen ausgiebigen Spaziergang durch die grünende und blühende Natur machten.

Felsen gehauene Nekropole

Wir wollten eine in die Felsen gehauene Nekropole (Begräbnisstätte) finden, was uns auch gelang. Dann sollten wir in den Bergen noch ein kleines armenisches Dorf Vakif Köyü zu sehen bekommen. Dorthin fuhren wir mit zwei Kleinbussen dorthin. Uns fiel gleich die Sauberkeit gegenüber den türkischen Dörfern auf. Wir besuchten den Friedhof, der unweit einer kleinen ansehnlichen Kirche liegt, die 1997 fertiggestellt wurde. Die Vorgängerin ist abgerissen worden. Die Armenier gehören zu den ersten christlichen Gemeinden. Hier ist die Gemeinde protestantisch. Der nächste Tag war Sonntag, an dem wir an einem orthodoxen Gottesdienst in Antakya teilgenommen haben.

Armenische Kirche im Dorf Vakif Köyü

Für die orthodoxe Kirche gilt immer noch der Julianische Kalender. Sie hat die Kalenderreform, die 1582 von Papst Gregor eingeführt wurde , nicht anerkannt. Darum feiert sie Ostern und Weihnachten später als wir. Dieser Sonntag heißt Blumensonntag. Er liegt in der Hälfte der Fastenzeit und wird als "Kleines Osterfest" begangen. Die stattliche Kirche war sehr gut besucht. 1200 Mitglieder gehören zur Gemeinde. Der Pfarrer betrat die Kirche mit einem großen blumengeschmückten Metallkreuz in den Händen. Ihm folgten viele Kinder, die Altarkerzen trugen, die ebenfalls mit Blumen dekoriert waren. Sie zogen alle durch die Kirche und wurden dann vom Pfarrer gesegnet. Ein kleiner Chor, bestehend aus mehreren Herren und einer Dame, sang fast unentwegt. Die Gemeinde stimmte ab und zu mit ein. Die Verehrung der Ikonen, Gebete und Hymnen nahmen den hauptsächlichsten Teil im Gottesdienst ein. Eine Predigt gab es nicht. Sonst ist sie sehr kurz. Abendmahl wurde in Form von Brot durch die Reihen gereicht. Aus dem Kelch trank der Pfarrer stellvertretend für alle. Der Gottesdienst dauerte nur 1 1/4 Stunde; das ist für einen orthodoxen Gottesdienst sehr kurz.

Rum-Orthodoxen Kirche in Antakya

Anschließend nahm sich der betagte Pfarrer noch die Zeit uns zu begrüßen, und ein anderer Herr informierte uns ein wenig über ihr Gemeindeleben. Betonte, dass sie sehr ökumenisch eingestellt sind und gute Kontakte zur ev. und kath. Kirche pflegen. Auch mit den Muslimen kommen sie gut aus. Unser Busfahrer stand startklar zur Weiterreise bereit. Wir hatten eine 400 km lange Strecke bis Kappadokien vor uns. Auf langen Fahrten hat Herr Pfr. Kees für Unterhaltung gesorgt, indem er aus einem Paulus-Roman vorlas. Er gab uns auch kirchengeschichtliche Erläuterungen. Herr Ülkü informierte uns über Land und Leute. Zunächst fuhren wir dieselbe Strecke zurück bis Adana, von der wir wegen der Dunkelheit auf der Hinfahrt nichts gesehen haben. Kamen durch die Orontestiefebene, die sehr fruchtbar ist und wo Gemüse angebaut wird. Bei Adana sind riesige Baumwoll-plantagen. Dann wechselt das Landschaftsbild und es wurde wieder bergig. Ziegen und Schafe tummelten sich hier. Unser erstes Etappenziel war Tarsus; es ist der Geburtsort von Paulus. Hier wurde er als römischer Bürger geboren (Apg 22, 28). Er erhielt eine ungewöhnlich gute Bildung. Tarsus war ein wichtiges Handelszentrum und ein Seehafen, wo Ost und West zusammentrafen und sich orientalische und hellenistische Kultur vermischten. Aus der Erfahrung dieses Kulturkreises heraus, war Paulus in der Lage, Juden und Nichtjuden in eine Kirche zusammenzuführen. Von dem, was Paulus damals kannte, ist heute nur noch wenig zu sehen. Wir hielten an einem römischen Stadttor, das Paulus-Tor oder Tor der Kleopatra genannt wird. Es stammt wahrscheinlich aus späterer Zeit, enthält aber Bausteine aus der Zeit des Apostels. Einen Paulus-Brunnen haben wir uns auch noch angesehen.

Schneebedecktes Taurusgebirge

Von Tarsus führt die Autobahn strikt nach Norden. Wir durchfuhren die Kilikische Pforte und erfreuten uns am Anblick von schneebedeckten Bergen in der Ferne des Taurusgebirges und gelangten über Nigde und Nevsehir nach Abanos, unserem Standquartier in Kappadokien (Mittel-Anatolien). Ich denke, hier lag der Höhepunkt unserer Reise. Eine atemberaubende Tuffsteinlandschaft, die durch Vulkanismus vor ca. 3 Mill. Jahren entstanden ist und durch Sonne, Wind und Regen geformt wurde, begeisterte uns alle. Es entstanden flache Täler mit phantasievollen Gebilden, Tuffkegeln, Pyramiden, Nadeln und Türmchen, aber auch zerfurchte Canyons und tiefe Rinnen. Der poröse Tuffstein wurde schon seit vorchristlicher Zeit bearbeitet. Hunderte von Höhlenkirchen, über 30 unterirdische Siedlungen, Felsenklöster, zahllose Eremitenklausen und Mönchszellen wurden von Eremiten, aber auch von zufluchtsuchenden Christen zwischen dem 4. und 11. Jh. in die weichen Tufffelsen geschlagen. In den Malereien ihrer Felsenkirchen, die im Laufe mehrerer Jahrhunderte entstanden, drückt sich ihre tiefe Frömmigkeit aus. Unsere erste Bekanntschaft mit den Höhlen machten wir in Derinkuyu, einer unterirdischen Stadt. Ein völlig unauffälliger Eingang, der früher mit einem Mühlstein von innen verschlossen werden konnte, ließ uns die mühsam ausgebaute Unterwelt betreten. In sehr gebückter Haltung schlängelten wir uns durch einen langen Gang, der heute elektrisch beleuchtet wird. Früher soll man Fackeln benutzt haben. Ein Labyrinth aus Schächten, Treppen und Räumen durchliefen oder durchkrochen wir.

,,Das Kamel'' - Wahrezeichen Kappadokiens

Schließlich kamen wir in einen als Kirche genutzten Raum. Hier haben wir wieder kräftig gesungen. Im 7. Jh. sollen hier etwa zwanzigtausend Einwohner in 20 Stockwerken gelebt haben, von denen jetzt sechs freigelegt sind. Insgesamt vermutet man in der Region 50 solcher Städte, von denen 36 bereits entdeckt wurden. Dann kamen wir wieder ans Tageslicht und fuhren ins malerische Ihlara-Tal. Inmitten der kargen Landschaft öffnet sich ein breiter Canyon. Ein Fluss hat in prähistorischer Zeit dieses Tal gegraben. Heute fließt er als ruhiger Bach, gesäumt von Pappeln und Weiden. 4 km durchwanderten wir die langgestreckte Schlucht, die schon in Vorzeiten Siedlungsgebiet war. Das beweisen die zahlreichen Höhlenwohnungen und Kirchen, die man in den Hängen findet. Einige, die für uns Ältere nicht zu beschwerlich erreichbar waren, haben wir besichtigt. Mit Taschenlampen leuchteten wir die Fresken oder Bemalungen aus, und Herr Pfr. Kees gab die Erklärungen dazu. Es handelt sich um biblische Szenen und sehr häufig sind die kappadokischen Kirchenlehrer Basilios der Große und Gregor von Nyssa dargestellt. Am Ende der Wanderung wurden wir mit einem köstlichen Mittagsmahl belohnt. Dann fuhren wir zum Felsenkloster von Selime. Der Ort liegt am Ende des 10 km langen Ihlara-Tales. Oberhalb befindet sich die besterhaltene und größte Klosteranlage Kappadokiens im gelben Tuffgestein. Es war ein riskanter Aufstieg, aber Dorfkinder warteten hilfsbereit, um sich ein Trinkgeld zu verdienen. Wir wagten uns hoch hinauf und standen schließlich im großen Kirchenraum, in dem mächtige Säulen mit Kapitellen nur als Schmuckelemente aufgestellt sind, denn sie haben nichts zu tragen (Negativarchitektur).

Höhlenwohnungen bei Göreme

Die Wandmalereien sind sehr beschädigt und von Ruß geschwärzt. An die Kirche schließen sich ausgehöhlte Räumlichkeiten, die als Wohntrakt interpretiert werden. Unser letztes Tagesziel war die spätantike Ruinenstadt Mokissos am Fuß des schneebedeckten Berges Hasan Dagi. Ein atemberaubendes Panorama belohnte den beschwerlichen Aufstieg. Auffällig waren zunächst die unförmigen Reste eines zyklopischen Mauerwerks und dann breitete sich ein unüberschaubares Geröllfeld aus. Letzte Zeugen, einer bereits im 14. Jh. aus ungeklärten Gründen verlassenen Stadt, sind ein Rundbogen mit Pfeilern und einige Grundmauern. Ein sehr nachdenklich machender Eindruck! Am nächsten Tag ging es mit neuer Kraft weiter. Ich kann nicht alle Höhlen und Orte aufführen, die wir in Kappadokien besucht haben. Aber das Freilichtmuseum Göreme muss unbedingt erwähnt werden. Es wurde von der Unesco auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Hier kann man auf kleinem Raum zu Fuß von Kirche zu Kirche laufen. Ca. 27 sind verzeichnet. Wir haben uns einige herausgesucht. In allen sind mehr oder weniger gut erhaltene Malereien zu sehen. Am schönsten sind sie in der "Dunklen Kirche", die kürzlich von der Unesco restauriert wurde. Hier fällt nur wenig Licht ein. Das ist der Grund dafür, dass die Farben der Fresken nur wenig verblasst sind. Fortsetzung folgt !
Lieselotte Simmer


Schulpatenschaften für palästinensische Kinder
Mit Hilfe dieser Patenschaft ist es für palästinensische Kinder möglich, die evangelischen Schulen (Martin-Luther-Schule Jerusalem, Ev.-Lutherische Schule Bethlehem, Ev.-Lutherische Schule Beit Sahour, Schule der Hoffnung Ramallah, Talitha Kumi Beit Jala und das Jugendinternat Beit Jala) zu besuchen.

Wer vermittelt?
Der Jerusalemsverein im Berliner Missionswerk. Aus der Arbeit des Jerusalemsvereins, 1852 in Berlin gegründet, hat sich in Ostjerusalem und in den unter palästinensischer Selbstverwaltung stehenden Städten Bethlehem, Beit Sahour, Ramallah und Beit Jala ein modernes, vorbildliches Schulsystem für palästinensische Kinder entwickelt. Heute besuchen knapp 3000 Kinder - Christen und Muslime - die evangelischen Schulen.

Warum werden Patenschaften vermittelt?
Die evangelischen Schulen sind Privatschulen. Sie bekommen keinerlei staatliche Unterstützung und haben auch in absehbarer Zeit keine zu erwarten. Die meisten palästinensischen Familien können nur wenig oder gar kein Schulgeld zahlen. So müssen die Schulen weitgehend durch kirchliche Hilfe von außen und durch Spenden finanziert werden. Hier können Sie helfen! Es gibt zweierlei Patenschaften: Gruppenpatenschaften (Kontakt mit Kindergarten- und Internatsgruppen) und Einzelpatenschaften (Kontakt zu einer Schülerin oder einem Schüler)

Wieviel kostet eine Patenschaft?
Mit 25,-€ monatlich helfen Sie mit, dass auch bedürftige palästinensische Kinder eine gute Ausbildung bekommen. Dieser Betrag ist aber nicht bindend. Wir sind für jede Hilfe dankbar. Die Spenden können selbstverständlich von der Steuer abgesetzt werden.

Verpflichtung?
Mit der Übernahme einer Schulpatenschaft für palästinensische Kinder gehen Sie keine rechtliche Verpflichtung ein.

Für die Christen im Heiligen Land sind eigene Schulen um ihrer Identität willen unverzichtbar. Sie dienen jedoch nicht nur der Erziehung christlicher palästinensischer Kinder, sondern sind für die ganze Gesellschaft von großer Bedeutung, indem sie im Geiste des Evangeliums die Botschaft der Versöhnung und des Friedens weitergeben. So finden auch muslimische Kinder Aufnahme. Bitte schreiben Sie uns, wenn Sie an einer Schulpatenschaft interessiert sind, oder rufen Sie uns an. Wir schicken Ihnen gern Vorschläge zu.

Nähere Informationen wie immer im Ge-meindebüro oder beim Berliner Missionswerk (Adresse siehe oben).


Fürbitte:
Mit kirchlichem Geleit bestattet wurden:
am 3. April Reinhard Leuschner 71 Jahre
am 19. April Eva Kalisch 77 Jahre